Es war einmal… die Frau und der Kraftsport.

Ich stolper immer wieder über die selben Klischees bezüglich Frauen & Bodybuilding. Deswegen ist es wirklich Zeit, der Märchenstunde eine Ende zu bereiten!

1. Kraftsport ist Männersache.

Nein. Warum? Take this:

  • Krafttraining hilft, Stress abzubauen
  • Der Körper wird robuster und weniger anfällig für Verletzungen
  • Das Immunsystem wird gestärkt und ist resistenter gegenüber Infekten
  • Der Grundverbrauch wird gesteigert -> Der Körper verbrennt auch im Ruhezustand mehr Kalorien
  • Die Körperhaltung verbessert sich
  • Anstrengungen im Alltag werden weniger als solche wahrgenommen
  • Ungleichgewichte im Körper und deren Auswirkungen (z.B. Rückenbeschwerden) werden vorgebeugt, verringert oder verschwinden ganz
  • Wer unzufrieden mit seiner Figur ist, hat die Möglichkeit, diese zu formen (im höheren Maß als durch reine Abnahme)
  • Krafttraining kann das Selbstbewusstsein stärken

Quelle

2. Frauen sollten mit wenig Gewicht trainieren und viele Wiederholungen machen.

Zunächst: Sport treiben ist immer eine gute Sache. Ich werde daher nicht sagen, dass jedes Mädchen, das mit geringen Gewichten und einer hohen Wiederholungsanzahl trainiert, es gleich lassen kann. Allerdings vertrauen viele Frauen blind dem Ratschlag, dass nur Männer mit hohem Gewicht trainieren und sie selber lieber zu einem kleineren Gewicht greifen sollen. Der Grund dafür ist, dass viele Frauen sich bei der Anmeldung im Fitnessstudio ein strafferes, definierteres Aussehen wünschen und Angst haben, durch Muskelaufbau männlich auszusehen (s. Punkt 4). Das Problem ist aber, dass ein straffer Muskel zwar leistungsfähiger und fester wird, auf die Optik aber wenig Einfluss hat. Ein gutes Beispiel dafür sind Fitnesstrainerinnen, die hauptsächlich Ausdauerkurse unterrichten – manchen von ihnen sieht man absolut nicht an, dass sie so viel Kraft in sich haben, einfach weil sie eine ausdauernde Muskulatur haben, die aber nicht offensichtlich ist. Frauen, die tatsächlich ihre Figur formen wollen, werden daher mit der Kraftausdauer-Methode keine großen Erfolge erzielen, da dies hauptsächlich durch den Aufbau von Muskulatur mit gleichzeitigem Fettabbau zustande kommt. Mehr zum Thema Wiederholungsanzahl, Gewicht und Muskelaufbau hier.

3. Frauen trainieren andere Körperteile als Männer.

Letztens erst von einem Freund, der selber trainiert, gehört. Es gibt vielleicht Frauen, die sich auf ihre Problemzonen (und das sind meist die Beine) stürzen und den Rest vernachlässigen. Genauso gibt es Männer, die obenrum mit Muskeln gepanzert auf Storchenbeinen rumstolzieren. Sinnlos ist beides, vorausgesetzt natürlich, man ist nicht gerade in Reha und muss ein bestimmtes Körperteil stärken. Denn im Endeffekt ist nur ein Ganzkörpertraining gesund und das bedeutet für Frauen die gleichen Übungen wie für Männer. Auch, wenn man im Fitnessstudio Mädels öfter auf den „Gynäkologenstühlen“ trainieren sieht, als beim Latziehen.

4. Frauen sehen durch Hanteltraining aus wie Männer.

Viele Mädchen haben Angst, dass wenn sie mit Gewichten trainieren, sie ihre Weiblichkeit einbüßen und kerniger aussehen. Die Sache ist allerdings die: selbst wenn Frauen reichlich Energie ins Krafttraining stecken und sich auch dementsprechend ernähren, werden sie nicht annähernd so viel Muskeln aufbauen können wie ein Mann, da sie viel weniger Testosteron herstellen und der Muskelaufbau somit schon auf natürliche Weise ausgebremst wird. Zudem ist das muskuläre Limit von Frauen eher erreicht als bei Männern. Professionelle Bodybuilderinnen, die jedem Türsteher auf dem Kiez Konkurrenz machen könnten, haben ihre Statur nicht alleine durch konventionelles Krafttraining und ein paar Eiweißshakes erreicht, sondern mussten ziemlich in die Chemie- Trickkiste greifen, um so auszusehen. Ich trainiere jetzt seit 1,5 Jahren mit Gewichten und man sieht mir allenfalls eine gewisse Sportlichkeit an, das war es aber auch.

5. Es reicht, wenn Frauen Sit-Ups/Crunches machen, damit sie einen flachen Bauch bekommen.

Leider ist das nicht möglich, denn die Natur ist gemein. Sie allein ist Schuld, dass wir meist dort zunehmen, wo wir es am wenigsten gebrauchen können und das Fett sich ausgerechnet an diesen Stellen am hartnäckigsten hält. Das ist auch der Grund, warum es nicht funktioniert, den Fettabbau bestimmter Körperregionen zu kontrollieren. Wer nun versucht, dem Pläuzken mit Crunches entgegenzuwirken, wird erneut enttäuscht: Zwar kann sich der Bauch straffen, das gesamte Gewebe hängt also weniger schlaff nach unten, allerdings wird allein von diesen Übungen noch kein Bauch flach, denn dies ist nur durch Fettreduktion zu erreichen. Und es wird noch besser: Träumt man von einem Bauch, der nicht nur flach, sondern auch durchtrainiert aussieht, so sollte man sich auf einen Körperfettgehalt von unter 18% einstellen. Zum Vergleich: der Normalwert bei Frauen zwischen 20 und 39 Jahren liegt bei 21 – 33%. Na dann Prost Bierbauch Mahlzeit!

6. Frauen kriegen von Bankdrücken und Butterfly kleine Brüste.

Manche werden sich vielleicht fragen, wie ich darauf komme, aber mir ist dieser Irrglaube schon so oft untergekommen, dass er garantiert seine Berechtigung in dieser Liste hat. Fakt ist aber: Wie auch beim Bauch ist eine punktuelle Verkleinerung (=Fettabbau) der Brüste durch Training, sei es Kraft oder Ausdauer, nicht möglich. Auch hier bestimmt die Genetik, wo der Körper zunächst ab- und zunimmt. Wird der Brustmuskel durch Sport verändert, wird er also fester oder vergrößert sich, so hat dies ebenfalls keinen Einfluss auf das vorhandene Fett-, Binde- und Drüsengewebe der Brust, sondern lässt ein Dekoltee allenfalls straffer aussehen. Wer nun Bilder von Bodybuilderinnen mit extrem abgezeichneten Silikonbrüsten vor Augen hat: 1. Sind diese Frauen allein schon aus professionellen Gründen mehr auf ihr Aussehen bedacht als die normale Fitnessstudio-Klientin und daher auch Schönheitsoperationen im Allgemeinen weniger abgeneigt. 2. Haben diese Damen meist einen ziemlich niedrigen Gesamt-Körperfettgehalt, der nur durch eine akribische, strikte Diät zu erreichen ist.

7. Ausdauertraining reicht vollkommen aus.

Ich will nicht den Anschein erwecken, dass Kraftsport das Maß aller Dinge ist und alle restlichen Sportarten Zeitverschwendung sind, ganz im Gegenteil! Cardiotraining ist wichtig für ein gesundes Herz-Kreislauf-System und kann das Risiko für Diabetes, Schlaganfälle und Herzinfarkte senken. Auch für Bodybuilder ist es wichtig, ab und zu ein paar Cardioeinheiten einzubauen, damit sie ihren Fettanteil verringern und ihre Definition verbessern können. Jedoch führt das ausschließliche Joggen im Wald oder Strampeln auf dem Hometrainer nicht zu einer Stärkung der gesamten Muskulatur, was zufolge hat, dass weniger Muskelstabilität vorhanden ist im Vergleich zum Krafttraining (= weniger Robustheit und höheres Verletzungsrisiko) und gleichzeitig auch optisch nicht zu einer aufrechteren, kräftigen Statur beiträgt. Leidenschaftliche Ausdauersportler sollten daher auch ein paar Krafteinheiten einbauen, um anfällige Körperregionen wie Schulter oder Rücken zu stärken.

8. Frauen, die sich für Bodybuilding interessieren, sind unfeminin.

Das ist richtig. Deswegen geht zum Beispiel keine meiner Freundinnen mehr mit mir in der Stadt Kaffee trinken. Leider.

Vielen Dank fürs Durchlesen!

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2 Gedanken zu “Es war einmal… die Frau und der Kraftsport.

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